7. Gewerkschaftskonferenz der PDS

Moderner Kapitalismus - 
alte Gewerkschaft ?

Termin:
17. - 18.11.2000

Ort:
Gesamthochschule - Universität Kassel,
Standort Holländischer Platz, Kurt-Wolter-Straße 3

Veranstalter:
PDS Parteivorstand - AG Betrieb & Gewerkschaft,
Kleine Alexanderstr. 28, 10178 Berlin
PDS Bundestagsfraktion, Platz der Republik, 11011 Berlin

Anfragen und Anmeldungen zur 7. Gewerkschaftspolitische Konferenz der PDS


Freitag 17.11.

18.00 Uhr Eröffnung

18.45 Uhr Bruch, Krise oder neue Prosperität? - Das neue Gesicht des alten Kapitalismus

Während die Aktienkurse märchenhafte Renditen bescheren und der Kapitalismus erstmals in seiner Geschichte zum globalen System aufstieg, verfestigt sich die weltweite Massenarbeitslosigkeit und die Finanzspekulationen stürzen ganze Länder in den Bankrott. Zwischen den Gipfeln märchenhaften Reichtums breiten sich Zonen sozialer Verwüstung aus. Ist dies der altgewohnte Kapitalismus oder sind wir Zeugen eines tiefen Bruchs mit allem, was wir bisher zu wissen glaubten? Zwischen Entsetzen und Resignation stellt sich die Frage was uns näher ist, eine Etappe neuer kapitalistischer Prosperität oder zunehmender Barbarei.
Elmar Altvater, Hochschullehrer

21.30 Uhr Links trifft sich - Türkisches Kulturzentrum Arkadaş

Sonnabend 18.11.

09.00 Uhr Das Schweigen der Dinosaurier - wie überlebensfähig ist die Gewerkschaftsbewegung?

Das Jahrhundert der Arbeiterbewegung brachte große Siege und endete mit schleichender Auszehrung. Haben sich die Gewerkschaften überlebt oder sind sie nur unfähig zur Erneuerung? Was hat sich in den Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit so grundlegend verändert, dass die Gewerkschaften nicht nur Mitglieder, sondern auch Macht und Gestaltungsfähigkeit verloren haben? Gibt es Alternativen oder verschwindet der Interessengegensatz zwischen Arbeit und Kapital in der Kultur der neuen Selbständigkeit, der zunehmenden Individualisierung und dem Wandel der Beschäftigten zu UnternehmerInnen ihrer eigenen Arbeitskraft?
Margret Mönig-Raane, Vorsitzende der HBV

11.00 Uhr Foren

1 Gewerkschaften in der Globalisierungsfalle ?

Es gibt keine Alternative sagen nach den Neoliberalen nun auch die sozialdemokratischen Modernisierer und stellen alles zur Disposition, was die Gewerkschaften erkämpft haben: Eine solidarische Tarifpolitik, den Flächentarifvertrag und auch produktivitätsgerechte Lohnerhöhungen. Wie tauglich sind die gewerkschaftlichen Instrumente und Kampfformen vor dem Hintergrund der alltäglich beschworenen Globalisierung? Welchen Veränderungen sind unausweichlich, wo sind die Auffanglinien gegen das Herunterkonkurrieren von Löhnen oder sozialen Standards und wie steht es mit der Autonomie der Gewerkschaften, nach dem Abschied der SPD von ihrer Rolle als politischer Arm der Arbeiterbewegung?
Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der NGG - Hamburg
Helmut Schauer, IG Metall Vorstand - Frankfurt/M
Hildegard Maaß, DGB Kreisvorsitzende - Fulda
Ulla Lötzer, MdB PDS, HBV - Köln
Moderation: Sabine Leidig, DGB-Kreisvorsitzende - Karlsruhe,
Jochen Dürr MAV, ÖTV - Schwäbisch Hall

2 Interessenvertretung unter Anpassungszwang

Die moderne Betriebsweise und die neuen Unternehmenskulturen haben nicht nur eine neue Arbeitswirklichkeit geschaffen, sondern auch die Bedürfnisse der Beschäftigten verändert. Flache Hierarchien und eigenverantwortliche Gruppenarbeit scheinen im Gegensatz zu den Organisationsprinzipien der Gewerkschaften zu stehen und ihre Durchsetzungsfähigkeit zu schwächen. Sind die Gewerkschaften den neuen Anforderungen gewachsen oder werden sie von der Entwicklung überrollt? Was erwarten insbesondere junge Beschäftigte noch von Gewerkschaft und Betriebsrat? Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Auseinandersetzung um die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes eine neue Qualität. Wird es zu mehr Mitbestimmung führen oder zur Verbetrieblichung der Tarifpolitik und zur Integration der Betriebsräte in die Standortpolitik?
Ewald Wehner, ehem. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied DPG
Micha Heilmann, Referatsleiter Arbeitsrecht, NGG Hauptverwaltung
Mag Wompel, Labour Net
Heidi Pomerenke, Gewerkschaftssekretärin ÖTV - Stuttgart
Moderation : Sabine Wils, Personalratsvorsitzende ÖTV - Hamburg,
Gerald Kemski, Sprecher der AG Betrieb & Gewerkschaft der PDS, VL-Sprecher ÖTV - Hamburg

3 Arbeiten ohne Ende - hat der Normalarbeitstag noch eine Chance?

Flexible Arbeitszeiten sind für die Mehrheit der Beschäftigten längst schon Realität geworden. Samstags- und selbst Sonntagsarbeit dehnt sich aus und immer mehr Unternehmen werfen die Stempeluhren auf den Schrott um sie durch sogenannte Vertrauensarbeitszeit zu ersetzen. Die Zahl der Überstunden steigt, noch stärker aber der Umfang unbezahlter Mehrarbeit. Während in Frankreich die gesetzliche 35-Stunden-Woche eingeführt wird, lässt das deutsche Arbeitszeitgesetz immer noch 60 Stunden in der Woche zu. Unter dem Druck der neuen Produktionskonzepte schmilzt der Normalarbeitstag dahin und die gewerkschaftliche Forderung nach Arbeitszeitverkürzung scheint nicht mehr in die wirtschaftliche Landschaft zu passen. Welche Perspektiven hat eine neue Arbeitszeitpolitik, wie lässt sich mehr Zeitsouveränität durchsetzen und der Arbeit wieder ein Maß geben?
Klaus Pickshaus, IG Metall, Vorstand
Edeltraut Rogeé, HBV Landesvorsitzende Sachsen-Anhalt, MdL PDS
Steffen Lehndorff, Institut für Arbeit und Technik - Gelsenkirchen (angefr.)
Heidi Knake-Werner, MdB stellv. Fraktionsvorsitzende PDS, ÖTV
Moderation : Monika Schlüter, HBV-Gewerkschaftsausschuß  - Halberstadt,
Achim Meyer-Heithuis, Gewerkschaftssekretär, NGG - Landesbezirk Hannover

4 Von der Sozialpartnerschaft zum Wettbewerbskorporatismus

Die heimliche Verführung von Gewerkschaften und Betriebsräten zur Sozialpartnerschaft gehört der Vergangenheit an, seit der Shareholder-Kapitalismus zu einem gnadenlosen Standortkrieg zwischen Nationen, Konzernen und sogar den Betriebsstätten des gleichen Unternehmens führt. Das neue Integrationsmodell heißt Wettbewerbskorporatismus und versucht Beschäftigte und Management zu einer schlagkräftigen Schicksalsgemeinschaft zusammenzuschweißen, die ihre eigenen Interessen dem Kampf um den Standort unterordnet. Dabei werden sämtliche Tarif- oder Sozialstandards auf den Prüfstand gestellt und Erpressungen mit der Verlagerung von Produktlinien oder Betriebsschließung sind an der Tagesordnung. Der gleiche Standortgeist beherrscht die Politik und das öffentliche Leben, wo die nationale Wettbewerbsgemeinschaft permanent zu Verzicht und Höchstleistung angespornt wird. Wie verändern sich unter diesen Bedingungen die Anforderungen an die Gewerkschaften? Was unterscheidet den neuen Wettbewerbskorporatismus von der alten Sozialpartnerschaft? Wird das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerb zu einem Instrument mit dem die Gewerkschaft endgültig ihre Autonomie verliert ?
Andreas Bachmann, Redaktion Express, HBV - Hamburg
Hans-Jürgen Urban, IG Metall Vorstand (angefr.)
Harald Werner, Gewerkschaftspolitischer Sprecher der PDS, IG Medien
Olivier Höbel - Gewerkschaftssekretär IGM - Braunschweig
Moderation: Sigrid Melanchthon, Betriebsrätin, IGM - Hamburg,
Martin Lesch, Gewerkschaftssekretär HBV - Leipzig

13.00 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Fortsetzung der Foren

16.00 Uhr Kaffee-Pause

16.30 UhrBerichte aus den Foren und Abschlußdiskussion


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